Prokrastination

Prokrastination lässt sich von dem lateinischen Substantiv procrastinatio „Aufschub“, “Vertagung” ableiten und kann in Extremfällen sogar als eine psychische Störung definiert werden.

Hast du dich jemals hingesetzt und dir fest vorgenommen, eine wichtige Aufgabe zu erledigen und ganz plötzlich warst du dabei, die Wäsche zu waschen oder im Internet zu surfen? Das geht dann immer so weiter, mit kleinen To-Do’s, ehe du dich versiehst ist der Tag vergangen und die wichtige Aufgabe bleibt unvollendet. Die Chancen stehen gut, dass du sogar in diesem Moment dabei bist zu prokrastinieren. Aber was beschreibt der Begriff Prokrastination? Prokrastination stammt vom lateinischen Verb “procrastinare” ab, ins Deutsche lässt sich dies übersetzen als: verschieben, vertagen oder verzögern. Umgangssprachlich ist das Phänomen der Prokrastination auch bekannt unter der Bezeichnung “Aufschieberitis”. Wenn jemand prokrastiniert, werden bspw. Arbeitsaufgaben oder Verpflichtungen des persönlichen Leben aufgeschoben, welche besser rechtzeitig erledigt werden sollten. Wir versuchen uns das Leben dadurch einfacher zu machen, legen uns paradoxerweise aber eher Steine in den Weg. Prokrastination zehrt an unseren Ressourcen, da wir irgendwann noch intensiver nacharbeiten müssen, was wir zuvor aufgeschoben haben.

Für viele Menschen, ist das Prokrastinieren ein ständiger Begleiter, der sie davon abhält wichtige Aufgaben in ihrem Leben zu meistern. Das kann durchaus gefährlich werden: Etwa für Schüler, die deshalb die Schule nicht meistern, Angestellte, die schlechter bei der Arbeit abschneiden aber auch in Bezug auf medizinische Behandlungen, die nicht eingehalten werden oder in Hinblick auf die Altersvorsorge, über die sich zu spät Gedanken gemacht wird. Wer jetzt denkt, dass Prokrastinieren eine Modeerscheinung sei, liegt falsch! In einer der frühesten verfügbaren Aufzeichnungen der Menschheit, die mindestens 3000 Jahre zurückreichen, gibt es bereits Hinweise auf dieses menschliche Verhalten. So wurde es in militärischen Dokumenten der Römer, Griechen und alten religiösen Texten thematisiert.

Was bring dem Menschen Prokrastination?

Innerhalb verschiedener wissenschaftlichen Richtungen gibt es unterschiedliche Theorien und Ansätze zu dieser Thematik. Trotzdem bleiben die Gründe für Prokrastination größtenteils unverstanden. Festgestellt wurde jedoch, dass moralische, situative und emotionale Faktoren eine Rolle spielen:

  • Kognitive Bewertung & Überzeugung

Wir Menschen sind schlecht in kognitiven Bewertungen und damit gewohnheitsmäßig keine guten Entscheidungsträger. Gerade wenn es darum geht, den Aufwand für etwas Unangenehmes abzuwägen, prokrastinieren wir gerne.

  • Fehlender Wille

Ein moralischer Grund, der häufig genannt und kontrovers diskutiert wird, ist der fehlende Wille. Hierbei wird Prokrastination als Willensversagen beschrieben, es besteht eine fehlende Selbstkontrolle und -regulation. Die Personen tun sich schwer, nicht zielorientierte Gedanken zu hemmen und verfallen dann in Aufschiebeverhalten.

  • Wertebasierter Ansatz

Wenn es etwas gibt, dass uns wichtig ist und wir uns in der Tätigkeit als besonders erfolgreich wahrnehmen, ist es weniger wahrscheinlich, dass wir prokrastinieren. Umgekehrt, wenn wir also unser Wohlbefinden eher schätzen und weniger leistungsorientiert sind, tritt Prokrastination vermehrt auf.

  • Emotional irrational

Bezüglich Prokrastination auf emotionaler Ebene, sollte angeführt werden, dass Menschen selten rational handeln. Stattdessen werden wir eher von Emotionen geleitet, die unsere Gedanken und Handlungen bestimmen. Aus verschiedenen Gründen erleben wir Angst oder Furcht, wenn wir darüber nachdenken, etwas zu vollenden. Deshalb verschieben wir unsere Handlungen auf einen Zeitpunkt, zu dem wir uns vermeintlich besser fühlen. Leider geht dieser Ansatz selten auf, da die Erfahrung etwas nicht zu erledigen,egal aus welchem Grund, bei uns Schuld und Scham erzeugt.

  • Psychodynamische Ansätze

Der Ansatz, dass Menschen emotional und nicht rational sind, passt gut zu der psychoanalytischen Literatur. Weitestgehend wird Prokrastination hier als ein selbstzerstörerisches Verhalten verstanden (Lachmann). Sie wird als eine Art passiv aggressive, masochistische Selbstsabotage, die gewisse Konflikte und Gefühle auslöst, welche anderweitig nicht ausgedrückt werden können (Glucksman), definiert. Außerdem diene sie häufig als eine Art Aufschub für Wünsche und Ziele, die sonst für das „Selbst“ zu bedrohlich sind.

  • Verhaltens-Vermeidung

Es gibt wenig Konsens über die Gründe für das Prokrastinieren, dafür aber mehr über den Verhaltenszyklus, welcher dieses aufrecht erhält. Normalerweise prokrastinieren wir aus dem Gefühl der Angst, Überwältigung oder Furcht über die wichtige Aufgabe, die uns erwartet. Um diesem Gefühl zu entkommen, prokrastinieren wir, indem wir uns durch angenehmere Handlungen ablenken. Kurzzeitig fühlen wir uns dadurch besser, jedoch wird durch das Vermeiden die Angst davor gestärkt und die Hürde anzufangen wird immer größer. Die Realität holt uns früher oder später doch ein und wenn die Abgabefrist zusehends näherrückt, fühlen sich die Personen die prokrastinieren beschämt und schuldig.

Tipps gegen Prokrastinieren

  • Vergib dir selbst: Das Prokrastinieren ist mit vielen Schuldgefühlen verbunden und diese sind einer der größten Trigger fürs Prokrastinieren. Deshalb ist es sehr wichtig, dass du dir selbst vergibst. Dadurch reduzierst du diese negativen Gefühle, die das Prokrastinieren mit sich bringt und kannst anfangen deinen Aufgaben mit positiveren Gefühlen entgegenzutreten!
  • Warte nicht auf den perfekten Moment. Erkenne an, dass du dich selten danach fühlen wirst, dich der Aufgabe anzunehmen und es dich zu jeder Zeit Überwindung kosten wird.
  • Versuch zu akzeptieren,dass das Ergebnis nicht perfekt sein muss. Perfektionisten vermeiden es, eine Aufgabe anzufangen, weil sie Angst haben ihren hohen Standard nicht erfüllen zu können. Fang erst einmal an, du kannst deine Arbeit im Nachhinein immer noch verbessern.
  • Plane deinen Tag so, dass du die unangenehmste Aufgabe als erstes erledigst. Das gibt dir das Gefühl etwas geleistet zu haben und wird dir nur noch mehr Antrieb für deine weiteren Aufgaben geben.
  • Plane Zeit ein, in der du Dinge machst, die dir Spaß machen, auch wenn es Prokrastinatio an sich ist.
  • Teile dir überwältigende Projekte in kleinere, ausführbare Aufgaben ein und erledige diese zuerst.
  • Was ist deine Mission? Finde das heraus und setze dir klare Ziele.

 

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Tim Urban, welcher sich selbst als Profi Prokrastinierer beschreibt und den Blog Wait but Why führt, ist mit seinem Blogartikel Why Procrastinators Procrastinate viral gegangen und hat mit seinem TedTalk über 47 Millionen Menschen erreicht. Er hat eine einfache und lustige Erklärung dafür dargelegt, was im Kopf eines chronischen Prokrastinierers vor sich geht.

Quellen:

Lachmann FM. How many selves make a person?. Contemporary Psychoanalysis. 1996; 32: 595-614. 10.1080/00107530.1996.10746338

Glucksman ML. Discussion of masochism and pathological gambling: A review of masochism. Psychodynamic Psychiatry. 2015; 43; 1: 27-45. 10.1521/pdps.2015.43.1.27

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